pyay

Tag 61: Elfter im Elften in Myanmar

Der ganze Tag sollte (Achtung, Spoileralarm) im Zeichen des Transfers stehen. Hierfür mussten wir so früh aufbrechen, dass es noch kein Frühstück in unserem Hostel, dem Lovers View, gab. Die jungen Herren an der Rezeption konnten uns aber wie erhofft eine kleine Lunchbox mit auf den Weg geben. Hier hatten sie Eier, weiche Toasts und Marmelade für uns verstaut. Den ersten Teil des Transfers von Ngwe Saung nach Pathein legten wir in einem Minivan zurück, dessen Lüftung leider genau über Mona in der Art defekt war, dass es ihr ständig auf den Kopf tropfte. Wir schafften die Strecke über Brücken, die nur aus Holzplanken bestanden, jedoch recht zügig. In Pathein würden wir dann schon von einer wahrlichen Horde junger Männer abgefangen, die den noch abbremsenden Minivan antrommelten und schon schreiend ihre Taxidienste anboten, wussten sie ja genauso gut wie wir, dass man in Pathein zur Weiterfahrt das Busterminal wechseln müsste. Wir hatten hierfür auch schon einen passenden Zettel unseres Rezeptionisten vorbereitet bekommen, der in Landessprache und -alphabet unser Ziel und den Fahrpreis beinhaltete, damit uns niemand eine überteuerte Fahrt anbieten würde und wir am richtigen Bus rausgelassen werden würden. Wir wollten uns jedoch erst einen kurzen Überblick schaffen. Glücklicherweise fragten wir die beiden jungen Frauen, aus dem Minivan aus Ngwe Saung, wohin sie denn wollten. Es stellte sich heraus, dass die beiden Däninnen auch nach Pyay wollten, ihr Hostel es jedoch arrangieren konnte, dass sie an diesem Busterminal abgeholt werden würden. Das klang gut. Schnell fragten wir uns durch, ob wir auch einfach hier bleiben könnten und Bustickets hierfür buchen könnten. Es ging. Das war easy, wussten wir doch 5 Minuten vorher noch nicht wann überhaupt ein Bus nach Pyay fahren würde, hatten wir jetzt unser Ticket in der Tasche und in 30 Minuten sollte es bereits weitergehen. In dieser Zeit kam eine taubstumme Frau zu uns vieren und wollte sich mit uns verständigen. Zu gerne hätten wir sie verstanden, doch so richtig konnten wir es nicht.20181111_0940152960911880776621949.jpg Letztlich glauben wir, dass sie uns zu verstehen geben wollte, dass sie jetzt zum Strand fährt und es dort generell besser findet als in der Stadt mit den hohen Gebäuden. Und dass das Essen am Strand sowieso besser schmecken würde als hier.
Währenddessen beobachteten wir im Hintergrund, wie die hiesigen Busse starten würden. Hoffentlich würde unser Bus das noch alleine und ohne die Hilfe der Männer schaffen, sonst könnte es eine spannende Tour werden.
Als unser Bus dann kam, ging es schnell. Nach den ersten Metern fiel uns auf, dass wir gar kein Ticket oder etwas bekommen hatten und hofften, dass dies auch niemand mehr kontrollieren würde oder wir noch einmal hätten umsteigen müssen.

Als an dem erwähnten anderen Busterminal noch einige Locals mit sperrigem Gepäck hinzukamen, sollte das Gepäck auf dem Dach festgezurrt werden. Hierzu warf ein Kerl ein Seil hinauf. Blöd nur, dass es auf der anderen Seite wieder herunter fiel. Dieses Spiel wiederholte sich lustigerweise noch einige Male, bis er seine Kraft endlich so dosiert hatte, dass das seil auf dem Dach des Minivans liegen blieb. Die Fahrt konnte also losgehen.
So saßen wir im nächsten Minivan in der letzten Reihe auf dem Weg nach Pyay und „feierten“ hier auf den abgelegenen Straßen Myanmars unseren eigenen Elften im Elften, als die Zeit 11.11.2018 11:11 Uhr anzeigte.

Wir konnten also schon 5,5 Stunden früher feiern, als unsere Freunde in Köln und Umgebung.
20181111_131805_16854344399841144487.jpgIn der Mittagspause bestellte sich Pumba Chicken Wings, die er sich aufgrund des Hundes nebendran fast nicht zu essen traute. Der Hund stellte sich mit seinem lustigen Unterbiss als „grumpy dog“ heraus. Er war in keinster Weise böse, sah nur witzig böse blickend aus und bettelte nach Hähnchenteilen. Nicht von uns, sorry. Aber wir lernten als Kind: Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nichts, Hähnchenknochen sind für kleine Hunde nichts.
Als es in Köln dann endlich 11:11 schlug waren wir noch immer auf den Straßen nach Pyay unterwegs, aber schon kurz vor dem Ziel.
In Pyay angekommen, wollten wir dann direkt am Busterminal nach Tickets fragen, um am nächsten Tag nach Mrauk U zu gelangen. Leider stellte sich diese Strecke als herausfordernder dar, als wir dachten. Mit Umsteigezeit wären wir 24 Stunden unterwegs gewesen. Das wollten wir nach dem heutigen Tag lieber nicht, überlegten uns spontan bessere Optionen. In unsere Planungen platzte plötzlich Erika, die von Yangon aus zum Ngapali Beach aufgebrochen war und nun zufälligerweise auch gerade hier ankam, um gleich direkt in einen Bus nach Mandalay umzusteigen. Wir buchten schließlich Tickets für die Fahrt nach Bagan. Von dort aus könnten wir ja einen neuen Mrauk U Versuch unternehmen, auch wenn unsere Route dann nicht ganz so kreisrund werden würde. Uns wurden 5 Optionen nach Bagan angeboten und da von über 10 Stunden Fahrt die Rede war, entschieden wir uns mit 17 Uhr für die letzte Option, in der Hoffnung, die Übernachtung einzusparen und die Nacht auf der Busfahrt zu verbringen.
Als alles geklärt war, verließen wir das Busterminal in Richtung Jade Motel, unserer Unterkunft für die kommende Nacht. Als Tipp wurde uns ein kleines Treppchen gezeigt, das über eine Mauer führte. Hierdurch konnten wir locker 500m unseres Fußweges einsparen und waren nur wenige Minuten später am Jade Motel.

An der Rezeption buchten wir unser Zweibettzimmer. Dieses war sehr moskitolastig, weshalb die ersten Minuten durch Beifall klatschen vergingen. Nach den zahlreichen Beifallsbekundungen waren die Moskitos erlegt. Nun musste Mona noch eine Heuschrecke bekämpfen, während Pumba sich zum Duschen bereit machte. Nach der Dusche kam dann als Überraschung für Pumba doch noch ein Zimmerwechsel, da das alte Zimmer zu stark von Insekten befallen war. Im neuen Zimmer war es aber nicht besser. 20181111_2022181094996230961004133.jpgDoch nach einem Dejà vue von Beifall und Klatschen war auch dieses Zimmer rasch gereinigt. Bevor wir zum Abendessen gingen, sprühten wir noch etwas Mückenspray im Zimmer umher. Da uns versichert wurde, dass unsere Wäsche am Folgetag beim Auschecken fertig sein würde, gaben wir auch noch einen Batzen Wäsche ab.
In der Umgebung unserer Unterkunft fanden wir eine Bar, wo wir dank einer einzigen englischsprachigen Bedienung gute Gerichte ergattern konnten. Hinzu kam ein Bierchen und wieder einmal Premier League live. So ließ sich der Abend doch vor allem für Pumba gut ausklingen.

Tag 62: Minivan: 15 Sitze, 19 Personen

Nach dem Frühstück liehen wir uns einen Roller, um in die Stadt zu fahren und uns die hiesige große Pagode anzuschauen, neben der ein 10-stöckiger Buddha sitzen würde. Der Roller war zwar nicht mit einem automatischen Getriebe ausgestattet, wie sonst üblich, doch auch das Schalten klappte und wir konnten los. Die Pagode bot einen Blick über das kleine Städtchen Pyay, ansonsten war sie nicht sehr besonders.

Der nebenan sitzende Buddha war zwar wirklich beeindruckend groß, doch 10 Stockwerke sind wohl etwas zu hoch gegriffen. Sagen wir 6. Maximal. Aber er sitzt ganz gemütlich da.


Pumba kam nicht umhin, einer buddhistischen Tradition nachzugehen, nach der man nach einer guten Tat mit einem Holz 3 Schläge auf eine Glocke vollzieht. So taten wir es ausnahmsweise heute auch.

Wir schlenderten noch etwas durch die Marktstraße, doch hier war nicht allzu viel los, denn der Markt hier ist eher ein Nachtmarkt. So fuhren wir nach 2 Stunden Aufenthalt in der Stadt wieder zurück zum Jade Motel.

 

Unsere Wäsche war leider noch nicht fertig, obwohl es am Vorabend zugesichert worden war. Sie würden aber alles versuchen, die Wäsche bis 16 Uhr, wenn wir zum Bus aufbrechen würden, trocken zu bekommen. Hoffentlich. Sonst können wir in Bagan direkt wieder waschen.20181112_0848335961201301040400990.jpgWir bloggten ein wenig und genossen es auch irgendwie, einfach mal Zeit zu haben. Zum Essen kehrten wir in das Lokal neben der gestrigen Bar ein. Hier gab es leider keine Speisekarte und leider nicht einmal eine englisch sprechende Bedienung. Ein Gast, der sehr gut Englisch sprach, half uns aber und fragte uns, wonach uns wäre.20181112_151520_12267521702100224320.jpg Wir einigten uns auf irgendetwas indisches, am besten vegetarisch und siehe da, wir bekamen tolles Essen. Hinzu kamen noch 2 Cola, die wir sogar ohne die Hilfe des Gastes bestellen konnten, obwohl Mona eine Cola Zero wollte. Für die beiden Mahlzeiten und die beiden Cola zahlten wir zusammen 2.500 Kyat [ca. 1,32 €]. Ein Hammer Essen zu einem Hammer Preis, auch wenn das Foto diesmal nicht so viel Aussagekraft hat. Wir fragten uns in der Folge mehrfach, ob sich die Bedienung nicht verrechnet hatte.
Zurück im Jade Motel war unsere Wäsche trocken. Wie sich herausstellte, hatten sie sogar einen Trockner, es hatte sich mittags wohl einfach um ein Missverständnis gehandelt. Im Eingangsbereich packten wir unsere Sachen zusammen und wurden von der Rezeptionistin sowie dem Rezeptionist des Hotels sehr interessiert beobachtet, wie wir unsere Klamotten rollten und in unsere Packtaschen und Backpack verstauten. Sie hatten ihren Spaß. Schnell war alles verpackt und wir machten uns auf den Weg zum Treppchen, das uns über die Mauer zum Busterminal führte. Nach etwas Wartezeit fuhr unser Bus vor. Es war mal wieder ein Minivan.

 

Dieser sah noch weniger vielversprechend aus, als seine Vorgänger. Getoppt wurde der optische Eindruck, als unter den Sitzbänken noch Reissäcke verstaut wurden. Wäre die Beinfreiheit ohne diese schon nur eine 3/10 gewesen, war es nun nur noch eine 1/10. Naja, immerhin zogen sie eine Plane über unsere Taschen auf dem Dach, sodass diese vor dem Regen geschützt wären.
Es ging los. Der Minivan war nur einige Zentimeter länger als unser heimischer DLRG Bus. Wo in diesem zu Hause jedoch nur 9 Leute Platz finden, war hier dank klappbaren Zusatzsitzen für 16 Personen Platz. Als wir losfuhren, waren trotzdem schon 17 Leute im Bus. Leider saß hinter uns eine waschechte Batschelkuh, die dem ganzen Minivan verdeutlichen wollte, dass sie gerade etwas aß. Schlimmer war jedoch noch der Kerl neben uns, der sich als DJ des Minivans etablieren wollte. Als er sein Handy auspackte und dieses mit den lautesten Tastentönen der Welt zum Musikplayer navigierte, waren wir schon erstaunt, dass dieses Handy der 80er Jahre, ein Knochen sondergleichen, überhaupt einen Musikplayer beinhaltete. Als dieser dann auch noch MP3s abspielen konnte, waren wir mehr als überrascht und als er dann auf volle Lautstärke stellte und das Handy neben sich ablegte, waren wir einfach nur verwundert und irritiert. Sein Ernscht?

 


Glücklicherweise spielte er aber nur ein paar „Songs“, bevor er das Handy wieder aus machte – hatten wir doch schon Angst, dass bei einem solchen alten Knochen an Handy der Akku bis Bagan reichen würde. Es stellte sich heraus, dass wir alle 90 Minuten eine Pause einlegten, ob zum Essen oder zum Toilettengang.20181112_203828_13020060990200453978.jpg Nach dem zweiten WC Stopp waren plötzlich 19 Leute im Bus. Wir fragen uns jetzt noch, wie das passen konnte und ob Stehplätze oder Sitzplätze im Gang eigentlich das gleiche kosten würden, wie unsere Sitzplätze. Wir hatten wirklich keinen Grund, über fehlende Beinfreiheit zu meckern, angesichts der anderen Mitfahrer und ihrer Situation. Ein Kerl des Busunternehmens verschwand sogar für eine halbe Stunde. Wir dachten erst, er wäre in der Ortschaft der letzten Pause geblieben, doch 30 Minuten später hielten wir wieder für einige Sekunden und da war er wieder.20181112_205047_1829088985096120646.jpg Er musste sich also für eine halbe Stunde aufs Dach zum Gepäck gesetzt haben, jetzt aber wieder hereinkommen, da die Straßen wieder ruckeliger wurden. Schräg hinter uns saß eine ältere Dame, die uns ständig umsorgen wollte. An der einen Raststation wollte sie, dass wir uns zum Essen zu ihr gesellen, an der nächsten zeigte sie uns die Toilette, nach der übernächsten gab sie uns zahlreiche Snacks aus ihren Einkäufen zum Probieren und wollte uns fast alles schenken, was sie ergattert hatte. Sie stieg dann aber wie einige Mitfahrer in Magwe aus, sodass wir das letzte Stück der Fahrt nur noch zu 11. antraten.
Als wir am Busterminal in Bagan ankamen, war es erst 1:30 Uhr nachts. Wir hatten diesen Bus eigentlich gebucht, da wir dachten, wir wären nicht vor 4 Uhr nachts am Busterminal. Glücklicherweise ist uns dank Google Maps schon unterwegs aufgefallen, dass die Angabe des Bus Offices nicht stimmen könnte und wir früher ankommen würden, sodass wir noch eine Nacht in unserem Hostel in Bagan dazugebucht hatten. Nach der überteuerten nächtlichen Taxifahrt für 15.000 Kyat [ca. 8,25€] nach Nyaung U, wo unser Hostel sich befand, klopften wir jemanden an der Rezeption wach. Bei ihm konnten wir jedoch nicht einchecken, er musste sich erst durch die Nacht telefonieren, um jemanden vom Schwesterhostel herzubeordern. Dieser zeigte uns nach einigem Warten die Zimmer, doch mussten wir die heutige Nacht noch in einem Dorm schlafen, obwohl wir ein Doppelzimmer gebucht hatten. Es wurde einfach vergessen, das Doppelzimmer aus dem System bei Agoda zu nehmen, sodass diese Doppelbuchung entstand. So lange sie nicht den Preis dafür am Folgetag haben wollen würden (kurioserweise waren 2 Betten im Dorm um einiges teurer, als ein Doppelzimmer), war es für uns jetzt aber auch kein Problem. Wir waren anfangs nur verwirrt und einfach nur müde.

Wir hatten unsere Transferphase also schadlos überstanden und freuten uns trotz Müdigkeit auf die bevorstehenden Tage in Bagan. Ob wir uns das Ballonspektakel gegönnt haben und was wir hier sonst noch erlebt haben, erfahrt ihr – wie immer – in wenigen Tagen. Bleibt bei uns, dann bleiben wir bei euch.

 

Bis dahin,

M & P


3 Gedanken zu “pyay

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