yangon

Tag 54: Der erste Abend in Myanmar

Wie ihr ja schon wisst, lief unser Flug nach Myanmar komplikationslos. Genauso komplikationslos lief die Einreise und unser Weg durch den Zoll. Dies bedeutete also ebenfalls, dass Drohni ohne jedwede Beanstandung mit uns einreisen durfte und die Sorgen, die uns aufgrund von Berichten und Geschichten anderer Reisenden im Netz bereitet wurden, unnötig waren. 20181104_1843081512064510296767902.jpgAm Ausgang trafen wir Basti und Violette aus Lyon, mit denen wir uns gemeinsam ein Grab teilen wollten, nachdem diese uns eigentlich angesprochen hatten, um eine überteuerte Taxifahrt zu teilen. Erst mussten wir jedoch noch unsere neuen SIM Karten einrichten und zu einem ATM. So lange warteten die beiden gerne, auch wenn es am ATM etwas länger dauerte. Ohne Fehlermeldung spuckte dieser kein Geld aus, sodass wir nicht wussten, was vorgefallen war oder sogar berechnet wurde. Somit mussten Pumbas Inklusivminuten mal direkt für den Anruf bei der Hotline der entsprechenden Bank herhalten. Als dies dann aber geklärt war und wir unseren Grab Fahrer gefunden hatten, machten wir uns zu viert auf den 45-minütigen Weg in die Innenstadt. Unterwegs teilten wir fleißig unsere bisherigen Erlebnisse, hatten die beiden doch zuletzt Indien bereist und vieles Spannende weiterzugeben. Basti und Violette ließen wir in Chinatown raus, wir fuhren noch einige Blocks weiter. Downtown Yangon ist hierbei ähnlich wie Manhattan aufgebaut. Rechtwinklige und nummerierte Straßen, man kann sich also praktisch nicht verlaufen.
Unser Hostel, das Little Yangon Hostel, war im ersten Moment sehr angenehm. Zwar gab es einige Moskitos im Aufenthaltsbereich und der Rezeption, im Zimmer jedoch nur wenige, die nach einigen Handschlägen erledigt schienen. Die Bäder waren eher unsauber, doch unser Standard war ja mittlerweile auch nicht mehr der höchste. Wir wollten unseren Abend im Aufenthaltsbereich ausklingen lassen, schließlich hatte Mona sich mit ihren SoPäd-Mädels zu einem Skype Date verabredet. Pumba nutzte die Zeit ihrer fehlenden Aufmerksamkeit dazu, in einem Myanmar Reiseführer zu schmökern und erfreute sich zugleich daran, dass die Unterkunft die englische Premier League live zeigte, sodass er mal wieder etwas Fußball schauen konnte. Während des Spiels wurde ihm vom Nachbartisch ein Stück Dragon Fruit angeboten. Es stellte sich heraus, dass die freundliche Spenderin Erika hieß, eine allein reisende Österreicherin. Kurioserweise kommt sie aus dem Nachbarort von Haiming, wo Pumba und Mona gefühlt jedes Jahr mindestens 1x ein paar angenehme Tage mit der DLRG Oberweis und weiteren Freunden verbringen – kleine Welt.
Als wir uns schon eine Weile im Bett ausgebreitet hatten, kamen gegen 1 Uhr in der Nacht noch 3 Schweizer in unser Dorm, die anfangs überrascht waren, dass sie nicht mehr alleine im Dorm wären, waren sie es doch beim Start ihres Ausfluges noch. Sie verhielten sich aber nach dieser anfänglichen Überraschung sehr ruhig. Nicht so die 3 Inder, die nachts um 5 Uhr noch ankamen und unser Dorm nun auffüllten. Für diese war Nachtruhe wohl ein Fremdwort, auch wenn Pumba durch Oropax ausnahmsweise nichts mitbekommen hatte. Dafür war Mona aber nicht nur wach, sondern hellwach. Und verärgert. Erst dachte sie sogar, es wäre bereits Morgen, da das Licht den Raum so hell erleuchtete.

Tag 55: Wenn die Locals so nett fragen…

Als dann am Morgen ein Wecker von einem der Inder minutenlang klingelte, der Besitzer des Handys aber scheinbar gar nicht im Zimmer war, war bereits jeder wach und stöhnte vor sich hin, als Mona das Herz des Handelns in die Hand nahm und in das gegenüberliegende Hochbett kletterte, um das Handy stumm zu schalten. Alle waren wach. Wir standen nun also auf und gingen duschen, bevor es zum Frühstück ging, wo der Handybesitzer genüsslich saß.
Nach unserem Frühstück waren wir gerade dabei unseren Tagesplan aufzustellen, als Erika hinzukam und wir kurz zu dritt über etwaige Optionen für den Tag sinnierten. Während wir dies taten, kamen ein junger Mann und eine junge Frau an unseren Tisch und luden uns ein, sie zu ihrer Englischklasse zu begleiten. Es stellte sich heraus, dass sie 2 Locals waren, die einen Freund zum Hostel begleitet hatten und uns spontan fragten, ob wir nicht Lust hätten, mit ihnen zu kommen. So könnten wir mit den Schülern der Englischklasse Englisch üben und im Gespräch natürlich auch zahlreiche Infos über das Land, die Leute und mögliche Aktivitäten erhalten.
Das klang gut, also schlossen wir uns ihnen an. Der Plan war, ca. 1 Stunde in die Klasse zu gehen, um dann etwas von Yangon zu sehen (Spoileralarm: Der Plan ging so nicht auf uns die Sache sollte unseren Yangon Aufenthalt komplett umstrukturieren). In der Klasse wurden wir dann von einem Englischlehrer und ca. 30 Schülern begrüßt und sogleich 3 verschiedenen Gruppen zugeteilt. Gruppe Erika, Gruppe Mona und Gruppe Pumba. So hatte jeder von uns eine ca. 10-köpfige Gruppe interessierter Englischschüler jeden Alters um sich sitzen und erzählte von sich, beantwortete Fragen, stellte Fragen, sammelte Informationen und Eindrücke. Komischerweise hatte Pumbas Gruppe fast nur aus jungen Frauen bestanden, Monas Gruppe hingegen fast nur aus jungen Männern. War es auch anfangs etwas unangenehm, der Mittelpunkt zu sein, der von über 20 Augen angestarrt wurde, war es doch nie negativ. Die Schüler waren einfach sehr interessiert, neugierig und begeistert. Einige konnten gar nicht genug mit uns sprechen, wohingegen andere eher still den Gesprächen folgten, weil sie sich wohl noch zu unsicher fühlten, Englisch zu sprechen, oder weil sie einfach ruhigere Charaktere waren. Sie berichteten uns auch, dass regelmäßig spontan angesprochene Touristen ihre Klasse besuchen würden und sie gerade dies an dieser Schule schätzen würden. So hätten sie direkten Kontakt zu Menschen von überall her und würden eher die Alltagskonversationen lernen, statt allzu viel Wert auf Grammatik und Frontallunterricht oder gar Tests und Leistungsüberprüfungen zu legen.
Die Zeit verging sehr schnell und wir überzogen den Kurs deutlich. Wer keine Zeit zum Überziehen hatte ging, wer wollte, blieb länger und unterhielt sich noch eine Weile mit uns.

 

Der Lehrer der Klasse bat uns, morgen wieder für eine Stunde vorbeizukommen, da seine Schüler so begeistert von uns seien. Wir wussten jedoch noch nicht, wie unser Plan morgen wäre und ob dies demnach passen würde. Als er uns ein lokales Frühstück anbot, was wir hier einnehmen könnten, hatte er uns aber quasi gecatcht, hatten wir doch alle 3 eigentlich keine Lust auf Toast mit Jam im Hostel. Wir hatten Spaß und uns wurde gezeigt, wie sich die Locals hier vor der Sonne schützen würden und wie man die Crème herstellt und aufträgt.

 

Am Ende waren nur noch wir (Erika, Mona, Pumba) und 3 der Locals übrig. Dies waren mit Goldy (eigentlich Khin Soe Shwe) und Kyaw Kyaw die beiden, die uns im Hostel aufgegabelt hatten und Lawkanath. Mit diesen Dreien gingen gemeinsam zum Mittagessen. Sie führten uns in ein kleines unscheinbares Lokal, dass uns sonst wohl im Vorbeigehen nicht aufgefallen wäre. Hier aßen wir auf 30cm tiefen Plastikstühlen unser erstes Essen in Myanmar. Es gab verschiedene Salate. Den Anfang machten die Klassiker hier: Tea Leaf Salad und Tomato Salad. Beide schmeckten überaus gut, hätten aber noch etwas mehr sättigen können. Als Ausgleich wurden einfach noch zwei weitere Salate bestellt. Hier können wir leider nicht genau sagen, um was es sich handelte. Ein Tigergrassalat und ein Salat aus irgendwelchen Wasserpflanzen, die Pilzen ähnelten. Allgemein hätten wir es ohne die 3 Locals schwer gehabt, hier etwas zu bestellen, gab es doch keine Speisekarten und hier sprach auch niemand Englisch. Alle Salate waren aber sehr lecker und wir waren nun gestärkt für die zweite Tageshälfte.

 

Lawkanath ließ es sich nicht nehmen, uns dieses Mittagessen zu spendieren. Goldy witzelte schon herum, er wäre hier so etwas wie ein Rich Boy, wir sollten kein schlechtes Gewissen deswegen haben. Außerdem erzählten sie uns nun, dass der Security des Gebäudes der Englischklasse uns 3 für eine Familie gehalten hatte. Dieser dachte, Mona wäre die Tochter von Erika und Pumba. Ob dies nun für Mona trauriger war, oder für Erika (24 Jahre) und Pumba, wussten wir nicht endgültig zu klären. Aber irgendwie auch witzig. Während Kyaw Kyaw zurück zur Englischklasse musste, um seinem Lehrer noch bei verschiedenen Dingen zu helfen, luden uns Goldy und Lawkanath ein, den Nachmittag auch mit ihnen zu verbringen. Sie wollten uns die Ringbahn von Yangon zeigen.

 

So marschierten wir zu fünft zum nahen Hauptbahnhof und als der Zug eintrudelte, machten wir uns für 200 Kyat pro Person [0,11 €] auf den Weg, 3 Stunden im Kreis um Yangon zu fahren. Klingt nicht sonderlich spannend, doch eigentlich war es das. Auf der einen Seite bekamen wir einen guten ersten Eindruck von der leider viel zu dreckigen Großstadt Yangon und ihren Vororten. Auf der anderen Seite bekamen wir aber ebenso einen guten Eindruck von den Menschen hier und deren Kultur.

 

So war der Zug voller Locals und wir erlebten, wie an den Haltestellen immer wieder Männer und Frauen ein- und ausstiegen, die ihre Waren zum Verkauf anboten. So kam Pumba nach etwa einer Stunde auch nicht umher, ein Stück Betelnuss zu kauen, auch wenn es richtig madig schmeckte und nicht unbedingt als gesund einzustufen ist. Die Viertelstunde vor dem Probieren waren aber mit dem Verkäufer und seiner Chili-Pflaumen verkaufenden Frau so lustig, dass er ihm den Gefallen tun musste, etwas kostenlos zu probieren. Der Verkäufer wollte Pumba scheinbar seine eigene Frau anbieten, gerne auch im Tausch mit Mona. Als Pumba wissen wollte, wie viel er dafür denn zu zahlen hätte, meinte der Verkäufer, dass sie umsonst wäre, vielleicht würde er auch noch etwas drauflegen müssen, damit er sie los wäre. Diese Äußerungen brachten ihm von Seiten seiner Frau einige Hiebe ein, was ihn wiederum zu noch mehr solcher Blödeleien anregte. Es war wirklich lustig. Die in ein Blatt eingerollte Betelnuss, die Pumba aber ausschließlich ohne Tabak zu probieren bereit war, schmeckte sehr bitter. Nach ca. 1 Minute des Kauens, spuckte Pumba seinen Mundinhalt aus dem Zugfenster. Schlucken darf man das Zeug nicht. Gefühlt machen das in Myanmar 3 von 4 Locals. Ungesund hoch 10, schmeckt ekelhaft, riecht ekelhaft, sieht ekelhaft aus (im Mund entsteht eine rote Flüssigkeit, die irgendwann auch die Zähne auf Dauer rot färbt).

 

Im Anschluss an das Kauexperiment bekam Pumba dann noch ein rotes Pulver, was er sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Es war sehr süß, wie Zucker. Danach folgte noch etwas wie süßer Ingwer zum Kauen und Schlucken. So war der bittere Nachgeschmack besiegt, durch was auch immer. Die weitere Fahrt verlief langsam ruckelnd durch das Umland von Yangon mit schönen Blicken aus den Fenstern und interessanten Gesprächen mit Goldy und Lawkanath.

 


Als die Fahrt zu Ende war und wir wieder in der Nähe des Hostels waren, verließen uns die beiden. 20181105_1829521629110304184718181.jpgWir drei hatten mächtig Hunger, füllten am Hostel kurz unser Wasser auf und gingen dann zu einem indischen Food Center, um uns unser Abendessen zu gönnen. Danach waren wir aber auch recht geschlaucht vom Tag und wollten zurück ins Hostel, während Erika, die anfangs den müdesten Eindruck machte, nun spontan noch auf ein Bierchen mit einem Freund verabredet war. Auf dem Teil des gemeinsamen Rückwegs sahen wir neben klassischen Verkaufsständen auch welche mit Kondomen, Gleitmitteln und kleinerem Sexspielzeug. Dies hatten wir so in Südostasien bisher noch nicht gesehen.
Die Sule Pagoda konnten wir bei unserem Rückweg dann in ihrem vollen nächtlichen Glanz bestaunen.

 


Im Hostel buchten wir schon einmal unseren Bus nach Ngwe Saung zum Strand. War online auf den einzig funktionierenden Plattformen schon alles vergriffen, verlief die Reservierung über unser Hostel wirklich einfach und problemlos. Wir sprachen kurz mit einem Italiener, der seit 12 Jahren immer die Hälfte vom Jahr reist, die andere Hälfte Geld dafür generiert. Er würde in einigen Minuten zum selben Strand fahren und empfahl uns schon einmal die Unterkunft, die er gebucht hatte, denn sie habe immerhin einen Pool.
Der Inder, dessen Handy den ganzen Morgen klingelte, fragte uns auf dem Zimmer nach dem WLAN Passwort. Wir sagten es ihm (Littleteam) und er bedankte sich freundlich, hatte er doch bis jetzt immer ein anderes Wort eingegeben (Littlestar), was ihm im Kopf umherschwirren würde. Nach ca. 10 Minuten entschuldigte er sich dafür, uns noch einmal fragen zu müssen, aber ob wir uns mit „Littlestar“ denn sicher seien, er hätte es in jeglicher Variation versucht, es würde aber nicht gehen. Wir mussten richtig lachen, hatte er doch schon vorhin dieses falsche Passwort mehrfach versucht und nach unserem Hinweis einfach gedankenverloren noch mal sein falsches verwendet. Er musste dann auch selbst sehr darüber lachen. Wir amüsierten uns in der Folge weiter, nicht mehr über die Passwortprobleme des Inders, sondern über Rezensionen bei Booking, als wir für die Fahrt zum Strand ein paar Unterkünfte verglichen. Es gibt wirklich herrliche Rezensionen, wenn Hotelmanager ironisch und süffisant negative Meldungen ihrer Gäste rekommentieren. Mona hatte mehrere richtige Lachflashs nacheinander. Es war aber auch ein Kommentar lustiger als der andere. Sehr sympathisch wie wir fanden. Nach der Dusche wies der Inder uns darauf hin, dass er soeben Bedbugs gefunden hatte – na toll, dieses Unheil konnten wir jetzt nicht gebrauchen. Aber wir konnten bei uns noch keine feststellen und hofften, dass sie den Weg quer durch das Zimmer nicht einschlagen würden.
Kurz vor Mitternacht fing dann ein weiterer Inder lautstark zu telefonieren an. Da hatte er seine Rechnung aber ohne seine Zimmergenossen gemacht. Dies ging einfach nicht. Nicht in dieser Lautstärke. Nicht um diese Uhrzeit. Und schon gar nicht mit Sheriff Mona im Zimmer. Sheriff Mona hatte die Situation aber schnell im Griff und so konnte die Nacht starten. Diese verlief mit den Indern natürlich wieder nicht wirklich geräuscharm. Während der eine des Trios ständig stöhnte, keimte und an Atemaussetzern zu leiden schien, wissen wir bis heute nicht, ob der WiFi-Inder im Schlaf redete oder tatsächlich gegen 2 Uhr in der Nacht noch ein Telefonat abhielt. Der Sheriff war kurz vorm Platzen, doch dann kehrte schließlich so etwas wie Ruhe ein.

Tag 56: English²

Während Mona von der lauten Nacht am Morgen noch etwas angeschlagen war, stellte Pumba fest, dass es im Bad kein Wasser gab. Weder Katzenwäsche, noch Dusche oder WC-Spülung funktionierten also. Wir ließen das Frühstück im Hostel aus, um in der Englischklasse zu frühstücken. Das war zwar etwas unangenehm, dachten wir doch nicht, dass wir das Frühstück als einzige innerhalb der Gruppenrunden aufgetischt bekamen und so essen mussten, während alle anderen zuguckten und darauf hofften, dass man seine Schale fertig gegessen hatte, um weiter zu erzählen. Zudem war es etwas schade, dass 80% der Klasse aus den selben Schülern wie am Vortag bestand. Immerhin wurden die Gruppen teilweise neu durchgemischt. Erika war heute nicht mit an Bord, sollte sie doch bald auschecken und so ihre weitere Reiseroute planen müssen. Auch heute überzogen wir wieder und wieder blieben am Ende Goldy, Lawkanath, Kyaw Kyaw und wir beide übrig, sodass wir gemeinsam Mittagessen gingen. Heute wurden wir in einen ähnlich unscheinbaren Laden wie am Vortag geführt, wo wir Shan-Noodles bekamen, eine weitere Spezialität des Landes, vor allem aus dem Shan-State. Diese schmeckten auch außerordentlich gut und waren zudem sehr preiswert mit 1.000 Kyat [ca. 0,55 €] pro Person.

 

Nach dem Mittagessen trennten sich unsere Wege. Die 3 Fragten uns nach unseren Plänen für morgen, wollten sie uns doch gerne noch etwas das Umland südlich von Yangon zeigen, Lawkanaths Heimat. Wir waren uns noch nicht sicher wegen des Tages, wollten uns einfach abends oder morgens früh noch einmal austauschen. Die Kontaktdaten waren sowieso längst ausgetauscht.
Unser Plan bestand jetzt eigentlich darin, in einem Café unsere nächsten Schritte zu organisieren. Letztlich verbrachten wir aber den heißesten Teil des Tages einfach im Aufenthaltsbereich des Hostels. Hier hatten wir kostenlosen Kaffee, gutes WLAN und es war angenehm kühl. Als das nötigste für die kommenden Tage dann aber organisiert war, bestellten wir uns ein Grab, um zum Sonnenuntergang an der Shwedagon Pagoda zu verbringen, der größten Pagode Yangons und einer der wichtigsten buddhistischen Orte des ganzen Landes. Es war immer noch sehr heiß, aber aus Respekt zog Pumba natürlich trotzdem seinen Sarong über die Shorts an. Wir waren aufgrund des Verkehrs schon etwas spät an, doch war die Kulisse schon beeindruckend, wenngleich für uns Touris auch recht teuer mit 10.000 Kyat [ca. 5,50 €] pro Person. Die Pagode war aufgrund von Renovierungsarbeiten etwas verpackt, strahlte also nicht in ihrem vollen Gold.

 

Bei den Fotos, die wir heute Abend schossen, war auch irgendwie der Wurm drin, oder wir gefielen uns einfach nicht mehr so sehr.
Auf dem Weg nach draußen sahen wir noch ein Hochzeitsshooting. Hatte die Frau eine Frise. Wow.

 

Draußen wollten wir noch in einen nahen Park, um ein paar Fotos der Shwedagon Pagoda von außen zu machen. Vielleicht wäre es uns ja sogar möglich, eine Runde mit der Drohne zu fliegen, um Bilder zu machen. Und ja, das war es uns tatsächlich. Wir wissen nicht, ob der Weg durch das Gartentor des Restaurants, den wir nach etwas Suchen einschlugen, um durch die Hecken zu kommen, offiziell für uns gedacht war, oder ob wir doch hätten Eintritt am Ticketschalter zahlen müssen. Sei es drum. Wir waren drin. Wir waren allein. Also Drohni raus und los. Etwas mulmig war Pumba in der Luft aber dann doch, führte er seinen ersten Flug in Myanmar doch im Dunkeln durch, in einem Bereich, wo wir vielleicht nicht sein durften. So traute er sich nicht allzu weit von uns weg zu fliegen (Ok, 200m weit, 120m hoch). Zügig wurden ein paar Bilder gemacht und Drohni wieder zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht.


Mit dem Grab ging es dann nach Chinatown. Streetfood. Billiger Alkohol. Überhaupt war uns aufgefallen, dass Myanmar in Bezug auf die Alkoholpreise weit billiger war als unsere bisherigen Länder. Schnell kam uns der Gedanke, Linda und Julian anzurufen, um mit uns Dosenbier zu trinken – bei den Preisen. Ohne sie gab es dann „nur“ Caipirinhas für 1.000 Kyat [ca. 0,55 €]. Schnell saßen uns Italiener gegenüber, mit denen wir ein gutes Gespräch beim Essen und Trinken führten.

 

Tag 57: Raus aus Yangon

Am Morgen packten wir unseren Kram zusammen, sollte es doch abends mit dem Nachtbus zum Strand nach Ngwe Saung gehen. Wir stellten unser Zeug für den Tag bei der Rezeption ab, frühstückten und vereinbarten mit Lawkanath und Goldy die Abholung am Hostel für 10:00 Uhr. Gemeinsam ging es dann zur Fähre südlich unseres Hostels. Mit dieser setzten wir nach Dala über, von wo es per Bus weiter nach Süden ging.

 

Es war brütend warm heute. Unser wärmster Tag bisher in Myanmar und auch die Tage davor war es stets locker über 30 °C. Mit dem Bus fuhren wir bei guten Gesprächen ca. 1 Stunde, als wir das erste Mal ausstiegen. Wir waren bei einer großen Pagode angekommen, die wir uns anschauen sollten. Sie war der Shwedagon Pagoda sehr ähnlich, wenngleich natürlich etwas kleiner. Bei der Umrundung der Pagode sprang Mona wie ein Frosch von einem heißen Stein zum nächsten und versuchte, sich nur im Schatten zu bewegen. Die Sonne hatte die Platten wirklich sehr erhitzt. Goldy blieb sogar am Eingang stehen, weil es ihr zu warm war. Lawkanath und Pumba hatten scheinbar etwas mehr Hornhaut an den Füßen. Es war nicht angenehm für die beiden, aber es ging.

 

Allgemein wunderten wir uns wirklich sehr über die Hitze, auch Lawkanath und Goldy zergingen förmlich darin. Als die beiden dann noch meinten, dass die Region um Mandalay und Bagan noch wärmer sei, als die Region um Yangon, klappte uns beiden die Kinnlade herunter – wir hatten doch keine Sahara gebucht.
Mit dem nächsten Bus ging es dann noch mal ein Stück weit zurück, in die Richtung, wo wir hergekommen waren. Nach 20 Minuten Fahrt stiegen wir aus und gingen trotz der Anwerbeversuche einiger Motorradtaxis, die uns vor der Hitze schützen wollten, zu Fuß eine gute halbe Stunde an Reisfeldern und Dörfern vorbei, bis wir an einem kleinen Tempel inmitten eines Sees angelangt waren. Dem Schlangentempel. In diesem kleinen Tempelverschlag gab es wirklich bestimmt 50 Schlangen, die frei umherkriechen konnten. Sie waren aber wohl auch zu erschlagen von der Hitze, weshalb der Großteil der Schlangen zu schlafen schien, während nur einige wenige durch Bewegungen auffielen und hier oder da ein kurzes Aufschreien der Besucher des Tempels verursachten.

 

Wir waren von der Wegstrecke und der Hitze sehr müde und eigentlich bereit, in die Stadt zurückzufahren. Doch Lawkanath wollte uns unbedingt noch einen weiteren Tempelkomplex zeigen, für den wir uns dann zwei Motorradtaxis orderten. Lawkanath und Pumba auf dem schnellen, Goldy und Mona auf dem langsamen. So waren schnell die paar Kilometer Strecke überbrückt, auch wenn Lawkanath unterwegs leider seine Cap verlor. Als wir am Tempel ankamen, waren wir erstaunt und sogleich froh, dass Lawkanath uns überzeugt hatte, hier noch einen Stopp zu machen, war es doch die schönste der heutigen Anlagen. Über 1.000 Buddha Statuen waren hier aufgereiht – ein beeindruckendes Bild. Wir gingen zwischen ihnen umher und hatten ein kurzes Gespräch mit einem Mönch, bevor wir ein paar Bilder schossen.

 


Dann fuhren wir jedoch mit unseren Taxis zurück zum Schlangentempel. Hier bauten wir eine kurze Trinkpause ein. Es gab Palmsugar-Saft. Sehr lecker und sehr süß. Er gab uns die Energie, um die halbe Stunde zurück zur Bushaltestelle zu laufen.

 

 

Wir hatten scheinbar gerade einen Bus verpasst, mussten wir doch jetzt ca. 45 Minuten auf den Bus warten. Als dieser dann da war, ging es zurück nach Dala zur Fähre.

 


Als wir zurück an der Fähre waren, ging die Sonne schon unter. Ein schönes Bild, was sich uns beim Übersetzen auf dem Fluss bot. Zeit, um noch ein paar letzte Fotos von Yangon zu schießen.

 

Lawkanath wollte uns eigentlich zu einem Inder bringen, doch der hatte wegen des Deepavali geschlossen und Lawkanath organisierte um. Es ging in ein chinesisches Straßenrestaurant, wo wir gebratenen Reis und thailändischen Papaya Salat genossen, während er Shan-Noodles orderte. Goldy, die wohl auch nicht gedacht hatte, dass wir so lange unterwegs sein würden, hatte sich bereits vor dem Restaurant von uns verabschieden müssen, da sie noch arbeiten gehen musste (Sie sind übrigens beide Studenten, haben aber im Oktober und November Semesterferien, besuchen dabei die Englischklasse und verdienen sich ein paar Groschen auf der Arbeit). Lawkanath begleitete uns noch bis zum Hostel, musste er doch wieder mit der Fähre nach Dala übersetzen, wo er wohnte. Wir verabschiedeten uns von ihm und bedankten uns herzlich für die letzten Tage mitsamt allen Einblicken und Informationen, die uns vor allem durch ihn und Goldy gewährt wurden.
Nun ging es aber in Richtung Strand. Im Hostel trafen wir Alex, einen Chefkoch aus Deutschland, der ebenso wie wir von dem reisenden Italiener das Hostel mitsamt Pool empfohlen bekommen und den gleichen Bus wie wir gebucht hatte. Gemeinsam teilten wir uns ein Grab zum Busterminal und gemeinsam ging es los. Anfangs sorgte das gemeinsame Starten noch für etwas Verwunderung, hatten wir doch 22:00 Uhr als Abfahrt auf dem Buchungszettel stehen und er 21:30 Uhr. In Wirklichkeit schienen wir aber im gleichen Bus zu sein – der dann auch bereits um 21:20 losfuhr. Als wir nach einigen Kilometern etwas länger hielten und es scheinbar zu etwas Verwirrung bezüglich gebuchter Sitzplätze kam – zumindest haben wir das so aus der Gestik und Mimik herausinterpretiert – waren wir uns doch nicht mehr sicher, ob wir richtig waren. Doch da niemand etwas sagte, sagten wir auch nichts und bald ging es weiter. Insgesamt war der erste Teil der geplanten 6-stündigen Fahrt ziemlich nervig aufgrund vieler Stopps. Wir schauten immerhin die zweite Staffel „House of Cards“ zu Ende, doch als wir dann gerade schlafen wollten, startete einer der Busleute eine scheinbar nie mehr endende Durchsage mit 200 Dezibel und unglaublich viel Echo im Mikrofon. Es hörte sich sehr lustig an, vor allem sagte er gefühlt immer das Gleiche. Genau sagen können wir das nicht, sprach er doch nur in seiner Muttersprache, nicht jedoch in Englisch. Es hörte sich ein bisschen so an, als würde er morgens auf dem Hamburger Fischmarkt seine Ware an den Mann bringen wollen. Marktschreier mit Echo. Irgendwann ließ er uns aber dann doch etwas Schlaf finden.

Wie unsere Busfahrt mit dem Marktschreier enden würde und ob der Strand hielt, was wir uns von ihm versprachen, erfahrt ihr dann in einigen Tagen, wenn der nächste Beitrag erscheint. Um das nicht zu verpassen, solltet ihr einfach eure Email Adresse im entsprechenden Feld hinterlassen und unseren Blog abonnieren. Bilder gibt es wie immer hier auf Instagram.

Hier gibt es zum Abschluss nur noch ein paar lose Eindrücke aus unseren Tagen in Yangon.

 

Bis dahin,

M & P


2 Gedanken zu “yangon

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