saigon / ho-chi-minh-stadt

Tag 130: Nachhilfe am Grenzposten

Heute hieß es, Kambodscha hinter uns zu lassen und nach Vietnam aufzubrechen. Da es um die Uhrzeit unserer Abholung mit dem Minivan noch kein Frühstück in unserer Unterkunft gab, weil die Köchin noch nicht da war (es gab Toast und Spiegelei. Jeden Tag. Warum braucht man da eine Köchin?), tat es dann auch ein in der Mikrowelle aufgewärmtes Schokocroissant vom Vortag. Nach der klassischen Minivan Runde kreuz und quer durch Phnom Penh hielten wir am Orussey Market, um in unseren eigentlichen Bus des Mekong Express umzusteigen. Das Interessanteste an der Busfahrt war, dass einige Meter vor dem kambodschanischen Grenzposten ein Städtchen entstanden war, das stark an Las Vegas erinnerte. Ein Kasino-Hotel löste das nächste ab, eines größer als das andere. Dabei ist zu erwähnen, dass den Einheimischen in Kambodscha per Gesetz nicht erlaubt ist, an Glücksspielen teilzunehmen. Folglich steht dieses kleine Las Vegas ausschließlich ausländischen Spielgästen zur Verfügung. Der Location nach zu Urteilen wohl vornehmlich Vietnamesen. An der Grenze erhielten wir zügig unsere Ausreisestempel in die Reisepässe. Der Grenzposten Vietnams bot uns aber dann einen längeren Aufenthalt. Unser Guide aus dem Bus hatte alle Pässe gesammelt, um dadurch Zeit bei der Einreise zu sparen. Da dies aber scheinbar jeder Guide der verschiedenen Busunternehmen tat, stapelten sich die Pässe vor den beiden(!) einzig geöffneten Schaltern der vietnamesischen Grenzbeamten gefühlt meterhoch. So warteten wir letztlich knapp 2 Stunden darauf, dass unsere Pässe gestempelt zurückkamen. Das ist keine weltbewegende Zeit für einen Grenzübergang. Trotzdem fragten wir uns, ob dieses System der gesammelten Pässe hier auch nur 5 Minuten Zeitersparnis erbracht hätte. Unser Gepäck wurde noch kurz gescannt und schon waren wir in Vietnam. Uns selbst hatte dabei keiner wirklich in Verbindung mit dem Pass zu Gesicht bekommen. War uns aber jetzt auch egal. Hauptsache es ging endlich weiter. Von der Karte her, sollte es nun schnell gehen, bis wir in Saigon (bzw. mittlerweile Ho-Chi-Minh-Stadt) ankommen würden. Doch wir hatten unsere Rechnung ohne den Verkehr in ebendieser Stadt gemacht. So dauerte es von der Grenze bis zu unserem Hostel noch einmal knapp 3 Stunden. Monas fiel beim ersten Eindruck der Stadt auf, dass es hier gar keine TukTuks oder ähnliche Gefährte gab. Autos, Busse und Roller. Sehr viele Roller. Vielleicht mehr als irgendwo sonst. Pumba fiel als erstes die schmale Bauart der Gebäude auf, sei es Wohngebäude oder ein kommerziell genutztes Gebäude. Dies erinnerte ihn an das China-House in Georgetown in Malaysia, wo die Steuern aufgrund der Breite der Häuser erhoben wurden. Uns beiden gefiel der erste Eindruck von Saigon aber. Es sah aufgeräumter, moderner und sauberer aus als die meisten Großstädte in Südostasien. Dafür war der Verkehr aber mal wieder äußerst verrückt. Er erinnerte uns an indonesische Städte, nur noch mal mehr Roller.

Nachdem wir unseren Kram in unsere Hotelkoje buxiert hatten, wurde es aber dringend Zeit zum Essen. Da wir direkt an der Bui Vien Walking Street gelegen waren, hatten wir auch genügend Lokale zur Auswahl und schnell dann auch eines für unser erstes Mahl auserkoren. 20190120_091003.jpgSo gab es Frühlingsrollen – frittiert und frisch – sowie die klassische Nudelsuppe Pho und gebratenes Hähnchen mit Gemüse und Cashews. Klingt nach viel – war es auch. Es lief klassisch: Man hat den ganzen Tag Nichts gegessen, der Magen schreit auf vor Hunger, daher bestellt man große Portionen und nach 2 Happen bedankt sich der Magen und sagt einem, dass er schon voll ist. Na klasse. Top Kommunikation mit dem eigenen Körper. Wir versuchten trotzdem, alles soweit zu verputzen, was auch gelang.
Vollgefuttert kugelten wir uns nun die Walking Street entlang, besorgten schon mal eine SIM Karte (die Verkäuferin hatte nur eine Karte für 30 Tage mit 18,4 GB Daten für 50.000 VND [ca. 1,90 €]) und kehrten schließlich zurück ins Hostel. Die Dusche und das Bett riefen.

Tag 131: Stadtlauf durch Saigon

Zum Frühstück gab es hier in „Kikis House Saigon“ Baguettes, Marmelade, Früchte (Wassermelone, Ananas und Banane) sowie Eier.
20190120_083008.jpgDie Eier konnte man sich am Herd selbst nach Belieben zubereiten. Das hieß für uns erst einmal Rührei à la Mona. Neben Omelette mit Gemüse oder Omelette pur, mag Mona nämlich mittlerweile auch Rührei ganz gerne. Was auf unserer Reise nach Wochen des Omelette-Frühstücks schon keine Rede mehr wert ist, muss für Menschen in Deutschland, die Mona gut kennen, wie ein Wunder klingen. Es gibt Nichts, was es nicht gibt.
Nach dem Frühstück zogen wir los. Wir hatten uns für den ersten Tag ein paar Sehenswürdigkeiten ausgeguckt, die mit dem War Remnants Museum (Kriegsgedenkmuseum) beginnen sollten.
Zu Fuß schafften wir gut und gerne unseren Weg zum Museum.20190120_094744.jpg Zumindest schon einmal bis kurz davor. Dann bekam Pumba nämlich einen seiner Flip Flops „geklaut“. Wir gingen um eine Ecke, von wo aus uns ein Local entgegenkam. Er deutete auf Pumbas Füße. Dieser dachte, er müsse aufpassen, dass er nicht irgendwo reintreten würde, doch der Kerl meinte seine Flip Flops. Bevor Pumba sich versah, hatte der Kerl auch schon den linken Flip Flop in der Hand, begutachtete ihn kurz und fing an mit Sekundenkleber an den Befestigungen nachzuarbeiten. Mit wenigen Handgriffen war dies getan und schon ging er ans Waschen und Schrubben über. Wir verdeutlichten ihm, dass er kein Geld erhalten würde und er uns den Flip Flop bitte zurückgeben sollte. Doch er hörte uns scheinbar nicht einmal, begutachtete die Sohle und wollte eine neue Sohle drankleben, die mehr Profil hatte, als die abgelaufene alte. Jetzt reichte es aber. Im letzten Moment konnte Pumba ihn stoppen und sich seinen Flip Flop zurückergattern. So war erst ein Tropfen des Sekundenklebers auf der Sohle, nicht jedoch die ganze Ladung mitsamt neuer Sohle. Insgesamt sicherlich ein Service, den man für wenig Geld erhält, aber wenn man uns nicht danach fragt und einfach beginnt und immer größere Korrekturen vornimmt, lassen wir es lieber direkt bleiben. So schafften wir dann auch den letzten Block bis zum Museum. Der Eintritt kostete uns 40.000 VND [ca. 1,50 €] pro Person.20190120_102930.jpg
Das Museum zeigt Aspekte des Vietnam Krieges mit Frankreich und vor allem den USA in sehr emotionaler Weise. Es gibt zwar auch die klassischen Museumsartefakte, wie Waffen, Uniformen, Werkzeuge, Minen oder ähnliche Dinge, doch die Informationen werden hauptsächlich mit Fotos weitergegeben, die häufig an vorderster Front von Journalisten gemacht wurden. Viele der Journalisten kamen bei dieser Arbeit ums Leben. Sie hielten nicht nur die letzten Momente einiger Vietnamesen oder Amerikaner fest, sondern auch ihre eigenen. So bekam das Kriegsgeschehen eine weitaus nähere Emotionalität. Ein weiterer Aspekt, auf den im Museum eingegangen wird, sind die Folgen der Kriegshandlungen durch die Amerikaner, die bis heute auf die Einwohner (und auch amerikanische Veteranen) wirken. Die Chemikalien, mit denen im Vietnamkrieg experimentiert und gekämpft wurden, hat schwerwiegende Folgen im ganzen Land hinterlassen. Allen voran das sogenannte „Agent Orange“, dass nicht nur bei einem selbst viele Schäden (z.B. einige Krebserkrankungen) verursachen kann, sondern auch noch an die Nachkommen durch Gendefekte weitergegeben werden kann. So sind aufgrund des Einsatzes von „Agent Orange“, das eine hohe Menge an Dioxin besitzt, dem wohl giftigsten Stoff, den die Menschen bis dato kannten, mittlerweile Menschen bis in die vierte Generation durch körperliche Deformationen und Missbildungen sowie geistige Behinderungen beeinträchtigt. Oftmals werden Arme oder Beine nicht richtig ausgebildet. Bei anderen Betroffenen haben sich nie Augäpfel gebildet. Viele Säuglinge kamen als Totgeburten zur Welt oder starben nach wenigen Stunden oder Tagen. Auch im Museum sind einige Föten/ Säuglinge zu sehen. Auch viele der eigenen Männer der Amerikaner, die mit dem Gift in Berührung kamen, litten und leiden noch heute darunter, verloren ihre Familien oder zeugten Kinder mit schweren Behinderungen.20190120_102914.jpg
Nach knapp 3 Stunden verließen wir das Museum wieder und begaben uns erneut zu Fuß in das Verkehrschaos von HCMC. Auch jetzt wurden wir mehrfach angesprochen oder auf unsere Füße gedeutet, doch nun kannten wir die Masche ja und blockten direkt ab oder gingen einfach weiter.
Wir betrachteten den Palast der Unabhängigkeit, bevor wir durch einen Park zur Notre Dame Kathedrale weitergingen. Steht die nicht in Paris? Dachten wir auch, doch hier in Saigon gibt es auch eine.

Den Glöckner kann man aber wohl nur in Paris finden. Zumindest fanden wir hier keinen. Neben dem Notre Dame war auch gleich schon das Hauptpostamt. Dieses schöne Gebäude sollte man sich bei seiner Erkundungstour durch Saigon nicht entgehen lassen. Im Inneren ist am Ende der zahlreichen Schalter ein großes Abbild von Ho Chi Minh aufgehängt worden.

Das Gute an den Gebäuden, die auf unserem Plan standen war, dass sie wirklich trotz Mittagshitze sehr leicht zu Fuß erkundet werden konnten, da sie wirklich nahe aneinander liegen.
Unsere Hauptziele hatten wir somit nach dem längeren Museumsaufenthalt recht schnell gesehen. 20190120_135544.jpgZeit zum Shoppen. Nicht weit vom Postamt fanden wir das Vincom Center, welches Läden wie H&M, Zara oder Pull&Bear enthält. Hier wurde seitens von Mona etwas gewühlt, doch nicht wirklich das erhoffte Teil gefunden. Das Einzige, das wir in diesem Shopping Center ergatterten, war schließlich eine neue SD Karte. Wir machen zu viele Bilder und Videos auf unserer Tour. Und wir fanden ein Kino mit Dumbo, jetzt wusste Mona auch noch mal ganz genau, wer Dumbo war, nach der Verwirrung in Battambang.
Es war jetzt Nachmittag und es wurde Zeit für einen Snack und einen Kaffee. Als Snack gab es erst eines der typischen vietnamesischen Baguettes auf der Straße.

Nachdem man uns versichert hatte, dass Monas Variante vegetarisch war, obwohl es doch sehr nach Fleisch aussah, pflanzten wir uns zum Verspeisen an den Straßenrand. Es schmeckte ziemlich gut. Nach dem Snack kehrten wir in das berühmte Caféhaus-Apartment von Saigon ein, wo es nach dem festen Snack dann auch noch etwas Flüssiges für den Nachmittag geben sollte.

Dieses alte kommunistische Appartementgebäude ist mittlerweile das Zuhause für diverse Cafés, Teestuben, Boutiquen oder Restaurants. Was von außen cool aussieht, ist auch von innen hübsch anzusehen. So fanden wir schnell ein Café, welches uns zusagte. Hier gab es dann zwar keinen Kaffee, sondern Limonade, Eistee und Kuchen, doch nach einiger Zeit des Relaxens wollten wir noch immer nicht aufbrechen, weshalb es dann doch noch einen Kaffee hinterher gab.

Mona hatte für uns an der Theke zwar eigentlich warmen Kaffee bestellt, doch als man die Brühe auf unseren Tisch stellte, konnte von heißer Brühe keine Rede sein. Die Becher waren bis oben hin voll mit Eiswürfeln. Na gut, dann eben Eiskaffee. Auf der Hauptstraße wurde schon fleißig für das vietnamesische Neujahrsfest „Tet“ aufgebaut.


Als wir das Kaffeehaus verließen, wurde es schon dunkel. Nebenan stand eine Menschenmenge in einer Bar und kreischte in aller Regelmäßigkeit.20190120_191430.jpg Als wir näherkamen, erkannten wir, dass es sich um ein Public Viewing handelte. Dass die Menschen dabei einfach in Dutzenden mit ihren Rollern mitten auf der Straße hielten, um die Leinwand zu sehen, interessierte hier niemanden. 20190120_192645.jpgEs schien normal. Die Straße war vom Public Viewing fast vollständig gesperrt. Unvorstellbar in Deutschland. Aber hier spielte Vietnam schließlich gerade im Asien Cup Achtelfinale gegen Jordanien. Wir beobachteten die Szenerie (und das Spiel) für ein paar Minuten, bevor wir wieder Richtung Hotel aufbrachen. Wir hatten zwar keinen Hunger, doch diese harten gefüllten Crèpes sahen wirklich gut aus. Schade, dass uns keine mehr begegneten, als wir uns durchgerungen hatten, sie einfach zu probieren. Auf dem ganzen Weg vom Caféhaus zur Walking Street nahe unseres Hostels liefen die Fernseher und übertrugen das Fußballspiel. Wer keinen Fernseher hatte, schaute sich das Spiel auf dem Handy an. Es war nach einem 1:1 in die Verlängerung gegangen, die kurz vor dem Ende war, sobald wir in der Walking Street ankamen. So kauften wir uns in einem Supermarkt zwei Bier auf die Hand und genossen das Elfmeterschießen auf der Straße. Natürlich gewann Vietnam, sonst hätte es nicht viel zum Genießen gegeben.

Danach traten auf einer Showbühne auf der Walking Street noch leicht bekleidete Damen mit schlechtem Gesang, eine noch leichter bekleidete Dame mit einer Feuershow und ein komisch bekleideter Kerl mit Gesang auf. Diesen schauten wir bei einem weiteren Bier zu, bevor es als letzten Snack ein BBQ-Baguette gab und wir zurück zum Hostel gingen.

Tag 132: Kaffeehaus – schon wieder

Nach einigen Tagen des frühen Aufstehens stand heute mal wieder ein Ausschlafen auf dem Programm, sodass wir erst gegen 9:30 zum Frühstück erschienen. Nach dem Frühstück machten wir kurz einen Stopp bei einem Touristenbüro, buchten für den folgenden Morgen eine Tour zu den Cu Chi Tunneln und für den folgenden Nachmittag die Weiterfahrt von Saigon nach Mui Ne. Danach zogen wir einfach ein bisschen durch Saigon, um ein paar Fotoaufnahmen zu machen.


Erst versuchten wir den Verkehr auf Bildern festzuhalten. Wenn wir erhöht hätten stehen können, wäre der Eindruck noch besser geworden. Ein funktionierendes Chaos. Dann fanden wir ein paar richtig coole Gassen zwischen den Häuserschluchten.

Unterwegs musste Mona sich mehrfach bei Pumba beschweren, dass er ihr heute wieder zu schnell unterwegs sei. Mit ihren kleinen Füßen ist das schnelle Gehen einfach herausfordernder als bei vielen anderen Menschen. 15500298775277204266472550060203316.jpgSie hatte noch eine Straße zum Ziel, in der es einige Boutiquen geben sollte. Hier hoffte sie noch ein Kleid oder einen Rock zu ergattern. Da die entsprechende Straße diesbezüglich aber eher eine Enttäuschung war, fand sie immerhin noch ein Tuch, dass sie als Schal oder Sarong nutzen konnte. img_20190213_104511_867-11935309938795987327.jpgEin zweites Tuch dieser Art bekam sie auch noch gratis dazu. Immerhin ein kleiner Erfolg. Wir schauten uns noch Saigons Oper von außen an, die ganz in der Nähe war. Letztendlich landeten wir heute wieder im Caféhaus, war es doch in der Parallelstraße zu der Boutiquen-Straße. Dort gab es in einer der obersten Etagen einen kalten Tee mit Minze und Passionsfrucht. Während wir diesen genossen, kümmerten wir uns um Organisatorisches. Wir planten grob die verschiedenen Stopps in Vietnam, um zu schauen, ob unsere Ideen in unser einmonatiges Visum passen würden. img_20190213_104515_748-1887797420619015478.jpgAußerdem bloggten wir noch etwas. Als der Hunger rief, ging es schließlich einige Stockwerke tiefer ins Poke Saigon. Was sollen wir sagen? Es war sehr lecker und Poke – eine ursprünglich hawaiianische Bowl mit Salat, Reis, Fisch und verschiedensten Toppings – hat wohl zwei neue Fans gefunden.
Auf dem Rückweg zum Hostel wollten wir eigentlich noch einen Stopp am Saigon River einlegen, doch der Verkehr war uns zu wild, um bis ans Ufer zu gelangen. So gaben wir auf. Wir fanden noch ein Hochhaus, das gerade gebaut wurde und dazu einlud, es einfach zu besteigen, um einen guten Ausblick über die Stadt zu haben. Aber es saßen dann doch Securities davor, also ließen wir es. War sowieso eher unernstes Gebabbel. Wir sehnten uns nicht wirklich danach, die 50 Stockwerke nach oben zu steigen.

Im Hostel planten wir noch ein wenig und beschlossen den Abend schließlich mit Netflix.

Tag 133: Cu Chi Tunnel

Früh aufstehen hieß es heute wieder. Pünktlich um 7:15 Uhr zum Frühstück, damit wir um 8:00 Uhr auch bereit sein würden, um beim Touristenbüro von unserem Bus abgeholt zu werden. Mit unserem Guide „Kay“ ging es dann in Richtung Cu Chi. Unterwegs stoppten wir noch bei einer Manufaktur, wo verschiedene Souvenirs und Dekoartikel von Personen angefertigt werden, die unter den Folgen von Agent Orange leiden. Schön, dass man auch in Asien sieht, dass es Einrichtungen gibt, wo gehandicapte Personen sozialisieren und produktiv sein können. Schade nur, dass es aus einem solchen Hintergrund in Vietnam zu solchen Projekten der Regierung kam.
An den Cu Chi Tunneln angekommen, merken wir schnell, dass es ein Ort für Touristen war. Wir waren nicht überrascht, hatten wir doch verschiedene Blogs und Vlogs gesehen, die von den Touren berichtet hatten. Es waren wirklich einige Gruppen vor Ort und dann kamen wir auch noch mit einer recht großen Gruppe dazu (circa 20 Personen, obwohl wir die billige Tour gebucht hatten, wo bis zu 40 Personen teilnehmen konnten). Erste Station im Dschungel war ein Loch, das einen geheimen Tunneleingang nachempfand. Wer wollte, konnte sich hineinhocken und fotografieren lassen. Wir wollten nicht. Lieber ging Pumba einige Meter weiter kurz in einen Tunnel hinab, wo nicht ein paar dutzend Leute zuguckten. Es war schon sehr eng in den Tunneln, obwohl die Tunnel hier für die Touristen alle noch etwas höher und breiter gemacht wurden, als ihre Originale. Und es war direkt sehr heiß im Tunnelsystem. Auf unserem Rundgang durch das Waldstück erfuhren wir einige Interessante Dinge über die Tunnel, die Auseinandersetzungen und die Tricks der Vietcong.


So waren die Tunnel in 3 Etagen unter der Erde angebracht, die alle jeweils 3 Meter tiefer lagen, als die vorige (also 3m, 6m und 9-10m tief). Insgesamt gab es in der Region Tunnelsysteme von ca. 250 km Länge, deren Bau in den 1940er Jahren bereits begonnen hatte. Die Tunnel verbanden ganze Dörfer und den Saigon Fluss miteinander. Die Tricks, egal ob psychologisch oder im Hinblick der Infrastruktur, die die heimischen Guerilla Kämpfer hier anwandten, muss man sich erst einmal einfallen lassen. Es zeigt den unbändigen Willen, trotz zahlenmäßig großer Unterlegenheit, durch Raffinesse und Kreativität die Unabhängigkeit des eigenen Landes zu bewahren.

Ein paar der Tricks:

  • Gekocht wurde nur am frühen Morgen, sodass der Rauch, der die Tunnel verließ, auch Nebel sein konnte. Zusätzlich wurde der Rauch stets durch Rohre von der eigentlichen Küche im Tunnel weggeleitet, um die Amerikaner nicht zu den richtigen Tunneln zu leiten.
    Die erste Etage galt den Kämpfern und verschiedensten Gemeinschaftsräumen. Geschlafen wurde in der zweiten Etage. Die dritte Etage führte bis zum Saigon River, sodass man stets im Notfall – oder falls der Tunnel eingstürzt war – durch den Fluss entkommen konnte. Außerdem hatte man so immer Wasserzugang.
  • Der Sauerstoff wurde durch Bambusrohre in die Höhlen geleitet. Diese wurden oben in künstlichen Hügeln versteckt, die wie Termitenhügel aussahen. So konnten die Amerikaner sie nicht ausfindig machen. Als die Amerikaner dann Deutsche Schäferhunde zum Aufspüren nutzten, wurde alles um die Sauerstofflöcher mit Seife oder scharfen Gewürzmischungen eingerieben, um die Nasen der Hunde ineffektiv zu machen. Außerdem wurden gestohlene Gegenstände der Amerikaner benutzt, um solche Stellen durch für den Hund bekannte Gerüche zu verschleiern.
  • Die Männer der Vietcong hatten grüne Kleidung, um sich tagsüber im Dschungelumfeld unbemerkt bewegen zu können. Die Frauen trugen schwarze Kleidung. Sie kämpften nämlich nur nachts. Tagsüber waren sie über der Erde in den Dörfern und agierten wie neutrale Dorfbewohner.
  • Die Vietcong hatten Fallen aller Art. Eine schmerzvoller als die andere. Viele waren nicht aufs Töten ausgelegt, sie dienten nur dazu schwere Verletzungen herbeizuführen, um die amerikanischen Trupps durch verletzte Soldaten zum umkehren zu bewegen oder sie entscheidend zu verlangsamen. So entstand in Verbindung mit zahlreichen Minen vor allem eine große Angst der Amerikaner, sich überhaupt im Dschungel zu bewegen.
  • Die Guerilla Kämpfer waren in kleine Trupps unterteilt. Jeder Trupp wusste nur über sein eigenes Areal Bescheid. Demnach auch nur wo Fallen und Minen in ihrem Areal lagen. So konnte bei Gefangennahme keine Information über mehr als dieses kleine Areal nach außen gelangen. Die Trupps wussten nicht einmal, wo und wie das Nachbarteam die Fallen hatten.
  • Neben verschiedenen Tricks, nicht gefunden zu werden, hatten die Vietcong auch viele Tricks, dass ihnen niemand in die Tunnel folgte, falls ein geheimer Eingang aufflog. Von Minen über Fallensysteme im Tunnel, sorgten viele Optionen dazu, dass die Amerikaner die Tunnel meiden wollten – sie hätten auch mit ihrer Körpergröße nicht gut in die kleinen Tunnel gepasst.

Insgesamt war die Tour durch die Tunnel interessant. Unser Guide erklärte vieles zwar zu spaßig und mit zu vielen Witzen bestückt – im Hinblick auf das ernste Thema – doch die reinen Informationen waren gut. Auf dem Areal steht noch ein Panzer der Amerikaner, der durch eine Mine lahmgelegt worden war. Dieser diente dem Posieren für Selfies. Nichts für uns. Panzerselfies müssen bei dem Thema wirklich nicht sein.

Genauso wenig die Nutzung des Schießstandes. Wie kann man hier denn einen Schießstand mitten auf dem Gelände aufmachen? Und wie können tatsächlich Leute auch noch Geld zahlen, um hier zu schießen? Unglaublich.
Wo Pumba aber zumindest mitmachte, war einen Tunnelabschnitt unter der Erde abzuschreiten. Dieser Tunnel wurde zwar extra für die Touristen verbreitert, doch eng war es trotzdem. Nachdem Pumba 140 Meter unter der Erde zurückgelegt hatte, kam er völlig verschwitzt wieder heraus. Nicht, dass es überaus anstrengend gewesen wäre, gehockt durch den Tunnel zu „laufen“, aber im Tunnelsystem war es dermaßen schwül, dass man schon nach wenigen Sekunden pitschnass war. Hier zu leben und zu kämpfen muss hart gewesen sein. Aber wie wir bereits sagten, für den Wunsch der Unabhängigkeit ließen sich hier gefühlt Berge versetzen.


Nach einem weniger aufschlussreichen Dokumentationsfilm am Ende, ging es, so zügig es der Verkehr zuließ, zurück nach Saigon. Hier ging Pumbas SIM Karte wieder für einige Minuten, denn bei den Cu Chi Tunnels war kein Verbindungsaufbau möglich. Im Hostel räumten wir noch unsere Wäsche ein. Leider hatte man diese beim Waschen wieder mit Schildchen gekennzeichnet, die mehrfach befestigt waren und somit größere Löcher als nötig in der Kleidung hinterließen. Weniger fein. Als alles verstaut war, gingen wir wieder zurück zum Touristenbüro, wo wir unsere Rucksäcke noch kurz lagerten. Wir liefen noch zum Supermarkt und kauften uns einen Joghurt-Drink und ein Chicken Teriyaki Baguette. Pumbas SIM Karte versagte wieder. Irgendetwas konnte damit nicht stimmen. Vielleicht wurde sie gesperrt und er brauchte eine neue? Auch die netten Mitarbeiter im Touristenbüro konnten ihm trotz minutenlanger Versuche nicht helfen. Dann wurde es Zeit zum Bus zu gehen. Es war ein Sleeping-Bus, mal was ganz neues auf unserer bisherigen Reise. Uns wurden unsere Plätze zugeteilt und wir fühlten uns recht wohl darauf. Dieser Reisestil hatte Potenzial.
Bis eine Gruppe Russen hinter uns den Fünfer belegte und Mona rechts und links die Käsefüße entgegengestreckt bekam. Keiner wusste wieso, aber irgendwie löste dieser Umstand bei ihr Sentimentalität und Heimweh aus. Naja, die Käsefüße wurden bald darauf in eine Decke eingewickelt und die Sentimentalität wurde hintenangestellt. Schließlich wollte Mona auch noch ein paar Bilder sichten und bearbeiten, während Pumba etwas bloggte und sich über seine wohl gesperrte SIM Karte ärgerte. Der Rest der Fahrt verlief recht gemütlich und ereignislos – sollte man meinen. Wir mussten noch einmal umkehren und eine Strecke von ca. 30 Minuten (pro Weg) zurückfahren. Was war passiert? Wir hatten 3 oder 4 Leute bei der obligatorischen Essens- und Toilettenpause auf halber Strecke vergessen. Kann ja jedem mal passieren.
In Mui Ne fiel uns direkt auf, dass die Schilder der Hotels und Restaurants auch alle in russischem Alphabet geschrieben waren. Was Mallorca für Deutsche ist, soll Mui Ne für Russen sein. Wir warfen unsere Rucksäcke kurz in das Zimmer der Unterkunft, woraufhin wir uns aufmachten, noch etwas zu essen aufzutreiben. Da es nun schon 23 Uhr war, waren unsere Hoffnungen auf etwas Warmes gering. Die ersten Lokale hatten auch schon alle geschlossen oder wiesen uns darauf hin, dass wir zwar noch ein Bierchen haben könnten, aber die Küche auch schon geschlossen hätte. Dann fanden wir aber doch noch ein Restaurant, wo wir gerne zum Essen hereingebeten wurden. So gab es neben ein paar Bierchen noch wirklich leckere Currys. Zum Abschluss bekamen wir noch gratis eine Obstplatte serviert, sodass wir gut, günstig und mal wieder zu viel verputzt hatten, bevor es nach dem letzten Bier dann auch zurück ins Bett ging.
So hatten wir unsere ersten Tage in Vietnam schon wieder hinter uns. Voller Vorfreude blicken wir auf die kommende Zeit in Vietnam. Jetzt stand Mui Ne auf dem Plan. Was es dort am Meer zu erleben gab, erfahrt ihr im kommenden Blogbeitrag.

Bis dahin,
M & P

P.S. Wir haben wirklich genug rumgeheult, aber als Hinweis: Handyfotos von zwischendurch fehlen leider noch immer. Sorry also wieder für längere fotolose Passagen.


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